Tomatenkunde

tomateIch war gestern in der Staudengärtnerei Bornhöved zu einem Vortrag über Tomaten. Interessante Info, leckere Verkostung, nette Lokation. Besonders von letzterem war ich doch überrascht. So direkt an der B430 gelegen ist es teilweise etwas laut – aber seltsamerweise stört das gar nicht im Garten. Dort gibt es übrigens auch schattige Plätze, an denen man Kaffee, Kuchen, Limo zu sich nehmen kann.

Aber Tomaten: Der Deutschen liebste Frucht mit 17kg Pro-Kopf-Verzehr im Jahr. Damit komme ich bestimmt nicht hin. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass man mindestens eine Tomate am Tag essen solle, weil sie Serotonin (das Glückshormon) enthielten. Da mag was dran sein – ich bin jedenfalls sehr glücklich, dass ich derzeit täglich auf meine Terrasse gehe und Tomaten naschen kann. 😉

Eigentlich mache ich alles falsch, so der Vortrag. Alle Tomaten, außer Wildtomaten, die harte Schalen haben und wenig ertragreich sind, bräuchten alle Tomaten unbedingt einen Regenschutz. Witzigerweise habe ich das gestern einfach so geschluckt, ohne weiter zu hinterfragen. Bin wohl davon ausgegangen, dass die zarten Pflanzen vor dem herunterprasselnden Regen geschützt werden sollen. Dem ist wohl nicht so, habe ich heute morgen feststellen müssen. Da hatte ich gestern nun gelernt, dass die Blätter so weit ausgebrochen werden sollten, dass der Wind durchstreichen kann, denn sonst wären es ideale Bedingungen für Krautfäule. Also bin ich heute morgen noch im Nachthemd auf meine Terrasse, um meine Pflanzen zu begrüßen und habe an den Tomaten herumgezuppelt. Dazu drehte ich die Kübel auch – und fand alles voll verschimmelter, welker, teilweise brauner Blätter. Tja, das ist dann wohl Krautfäule. Habe jetzt alles, das irgendwie befallen aussah, entfernt und hoffe das Beste.
Habe dann gleich die Kartoffeln in Verdacht gehabt und den leider bestätigt gefunden. Die fliegen raus und dürfen nächstes Jahr nicht wieder kommen. Tomaten machen viel glücklicher als Kartoffeln…
Jedenfalls fand ich auf Wikipedia s.v. Phytophthora infestans (dem Erreger der Krautfäule) dann: „Effektiv lässt sich Phytophthora durch Überdachen der Pflanzen gegen Regen und das Vermeiden von nassen Blättern beim Gießen verhindern. Grund hierfür ist, dass der Erreger zur Keimung flüssiges Wasser braucht.“ Da muss ich mir für nächstes Jahr dann mal Gedanken machen, inwieweit ich doch für einen Regenschutz sorgen kann, ohne dass meine Dachterrasse verschandelt wird. Oder eben mehr und früher Blätter auszuppeln und die Kübel weniger dicht stellen? So dass der Wind die Blätter schnell wieder trocken pusten kann?

Ich habe zwei Sorten Tomaten für das nächste Jahr vorbestellt: Sakura, eine japanische Sorte. „Sakura“ hieß ein Lied, das ich während der Schulzeit lernen musste – auf japanisch. Jedenfalls lässt es sich so leicht merken, dass Sakura eine Cherrytomate ist, denn es war ein Lied zum Kirschblütenfest. Und dann die Vierländer Platte, eine recht kleine Fleischtomate. Beide ausgesprochen lecker. Und dann will ich noch eine Wildtomatensorte erwischen. Pflegeleichte Minitomätchen klingen doch ganz nach mir…

Und jetzt mache ich mich an die Tomatenanleitung (danach dann an die der Kartoffeln) und aktualisiere, damit ich nächstes Frühjahr nicht das ganze Blog durchstöbern muss, sondern alles Wichtige auf einer Seite finde.

gefüllte Tomatenblüten

Ich nasche ja schon ein Weilchen an meinen Tomaten. Die mit Fruchtansätzen gekauften reifen nach und nach, beziehungsweise sind auf dem Weg dorthin. Anders sieht das bei den selbstgezogenen aus. Die mückern. Aber nun habe ich an einer davon Blüten entdeckt. Ich habe keine Ahnung, welche Sorte es ist. Ich habe nämlich auf kleinen Kunststoffschildern alles vorbildlich beschriftet, jaha! Mit einem Folienstift, der anscheinend so gar nicht lichtecht ist. 😕 Nächstes Jahr nehme ich Bleistift!

Die erste und die zweite Blüte der Rispe

Die erste (links) und die zweite (rechts) Blüte der Rispe

Zum Vergleich hier eine normale Tomatenblüte einer anderen Pflanze:

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So, und was sagt mir denn nun eine gefüllte Blüte? Sie kommt bei Fleischtomaten häufiger vor als bei zweikammerigen Tomaten. Also ist das wahrscheinlich mein Stierherz. Aber auch bei sonst glatten Sorten kommen gefüllte Blüten vor, meist als erste in der Rispe. Sie führen dann zu monströs geformten Tomaten, sog. Bunkerfrüchten. Hey, ich zieh mir mein Minimonster! Oder doch nur ein Stierherz. Mal sehen…

Ausgeizen

ausgeizenTomaten muss man in der Regel ausgeizen. So ganz hatte ich nie verstanden, was das ist und habe mich daher ein bisschen davor gedrückt. Ist aber ganz einfach und sehr wichtig, wie es scheint. Bei dieser schönen Pflanze ist es schief gegangen. Etwa auf der Höhe des Deko-Vogels siehst du einen Abzweig nach rechts. Derer gibt es fünf. Das bedeutet, dass der Hauptstamm, den ich ja sogar noch ganz vorbildlich mit einer Spiralstange stütze, nicht nur das Gewicht der eigenen Früchte tragen muss, sondern das aller Seitenäste ebenso. Bruch ist so schlicht vorprogrammiert. Und das ist fast zum Heulen ärgerlich.

Und dabei ist Ausgeizen so einfach, dass sogar ich das verstehe. Aber ich musste das wohl erst am schlechten Beispiel sehen.

ausgeizen2In der Blattachsel wächst ein zartes Blättchen – weg damit! Das ist der ganze Zauber. Aus diesem Blättchen entwickelt sich eine eigene Sprossachse und so kommt es zu buschigen, bruchgefährdeten Tomatenpflanzen.

Zwischenstand der nicht so guten Ideen

Der Sommer ist gerade erst gekommen (letzte Woche haben wir noch geheizt!!) und doch tun sich schon ein paar schlechte Ideen auf, die ich im nächsten Jahr vermeiden möchte.

13-juli-2Der Hof ist schlicht zu voll. Der schmale Gang rechts ist Gasse für die Müllleute und wirklich nicht zu großzügig bemessen. Auf der Bank zu sitzen, bringt auch nicht mehr wirklich Spaß. Wer hätte gedacht, dass Kartoffeln derart raumgreifend sind? Ich jedenfalls nicht…

13-juli-kartoffelsackDie Kartoffeln in einem Sack anpflanzen zu wollen, mag ja prinzipiell eine gute Idee gewesen sein. Aber einen biologisch abbaubaren Jutesack zu wählen, war schlicht Hybris. Natürlich rottet der sofort durch. Der Stoff war so mürbe, dass ein Heben des Sacks unmöglich war. Mittels Schneeschieber haben wir dann die Säcke jeweils in einen Kübel verfrachet. Da hätte ich sie natürlich dann gleich auch pflanzen können. Gut, der Sack erleichtert das Häufeln jetzt. Hochkrempeln – Erde drauf – fertig.

13-juli-eigenetomateTomaten sind eine feine Sache. Aber sie selbst auszusäen aus extra bestellten, tollen Samen scheint nicht so zielführend zu sein. Da fehlt mir wohl ein richtiges Treibhaus. Ich habe mehrere Tomaten dreier Sorten und alle sind sie spiddelig und zeigen keine Lust, zu blühen. Was vielleicht auch besser ist: diese Pflänzlein könnten keine Früchte (er-)tragen.
Die mit Fruchtansätzen gekauften Pflanzen wachsen, gedeihen und tragen fette Beute. Eine Sorte ist schon reif – schmeckt leider aber nach nüscht. Schade.

So, für mein Fail in Sachen Tomaten gibt es noch ein Extraposting. Für Donnerstag haben sich zwei Freundinnen zur Hinterhofbesichtigung angesagt. Bis dahin muss ich also etwas Klarschiff gemacht haben und entdecke dann hoffentlich ein halbes Dutzend guter Ideen für das nächste Jahr!

Ostern 2013

2013osternEigentlich hatte ich ja gedacht, dass inzwischen mein Hinterhof als Garten zu erkennen sein würde. Aber es ist immer noch so hundsgemein kalt, dass ich nicht draußen brasseln mag. Daher sieht es immer noch sehr langweilig aus. Nach Ostern fahre ich für ein paar Tage weg und werde wohl erst danach meine Pötte sortieren können.

Von links nach rechts: Die Bank steht jetzt im Schatten, ist also als Sitzgelegenheit nur noch für die ganz heißen Tage gedacht. Sie musste für die Platte rücken, auf die ich eine Reihe Kübel stellen will. So habe ich in meinem Hinterhof sogar Terrassenlandwirtschaft. 😛 Das Gewächshaus ist bis auf den Salat immer noch leer. Nach Ostern säe ich den wohl neu aus. Das Gebilde rechts ist mein Apfelbaum im Winterlook.

tomatenAuf meinen Fensterbänken tut sich auch etwas: Laubblätter! Salat, Chilies und Tomaten gehen jetzt also in die nächste Wachstumsphase über!

Tomaten

Sorten

Tomaten müssen in der Regel ausgegeizt werden: Die Seitentriebe werden regelmäßig ausgebrochen, um das Wachstum der Haupttriebe zu fördern. Da ich inzwischen verstanden habe, warum und wie bin ich für nächstes Jahr ganz frei in meiner Sortenwahl und muss mich nicht auf solche beschränken, die man nicht ausgeizen muss.

2013

Dick’s Cocktailtomate. Eigentlich eine Buschtomate, mal sehen, wie das mit der Hängeampel wird. Rot, rund, 1cm Ø. Sehr süß. Ausgeizen ist kein Muss. Reichtragende Freilandsorte. Bei mir schafften die Jungpflanzen es noch nicht einmal ins Freiland. Fail.

Stierherz – Bic’je Serdzef: Ich finde Coeur de boeuf ausgesprochen lecker. Diese hier ist eine osteuropäische Verwandte, auf die ich sehr gespannt bin. Kann ziemlich hoch werden – bis zu 2m! Die Rispen müssen unbedingt angebunden werden, sonnst brechen sie unter dem Fruchtgewicht. Früchte sind herzförmig, rosa-rot, sehr fleischig, sehr gut, groß bis sehr groß (bis 200-800 Gramm). Einen Stamm belassen und alle Seitentriebe entfernen. ← Genau das nennt man Ausgeizen. Wow, hatte ich das aber gut verstanden!
Meine Stierherzen wurden kniehoch. Die Pflanzen, nicht die Früchte. Schöne, gefüllte Blüten und aufgeplatzte Monsterfrüchtlein. Fail. Aber die probiere ich nächstes Jahr vielleicht dennoch noch einmal.

German Gold: Spiddeldürres Pflänzlein ohne Fruchtansatz. Fail.

Vier verschiedene, schon mit Fruchtansätzen gekaufte Tomaten, teilweise ohne Sortenbezeichnung. Reiche Früchte, sehr unerschiedlich lecker. Eine Geschmackstomate F1 von Kiepenkerl wuchs immerhin bis über die Spiralstange hinaus und hatte viele, recht große Früchte.

2014

Ich habe in der Staudengärtnerei Bornhöved 2 Cherrytomaten Sakura und 2 Fleischtomaten Vierländer Platte vorbestellt und nach 2 Wildtomaten gefragt.

Wildtomaten brauchen keine Stütze und sie sind weitgehend unempfindlich gegen Wind, Wetter und Krankheiten. Dafür haben sie recht zähe Schalen und tragen nur sehr kleine, wenige Früchte, die zudem erst spät kommen (2013 Ende Juli erste Früchte).

Anbau und Pflege

Saat ab Anfang März (6 Wo vor Aussetzen) auf der Fensterbank mit Folie abgedeckt, Saattiefe 0,5-1cm. Keimdauer 1-2 Wochen bei Zimmertemperatur mit Heizplatte unter dem Gewächshaus, danach kühler.

Pikieren: Nach 2-3 Wochen haben die Pflänzchen 4-5 Blätter. Einzeln in Palette pikieren, dabei alle Pflanzen mit nicht gänzlich ausgebildeten Keimblättern aussortieren, später dann in kleine 9-10cm Töpfe. Beim Umtopfen jeweils den Stängel ein bisschen mit eingraben, damit er fester und stärker wird.

Auspflanzen ab Mitte Mai: Töpfe sollten mindestens 12-15 l haben, gerade die großen Sorten ab 20 l. Es scheint aber durchaus nicht übertrieben zu sein, den größeren Sorten einen der großen Kübel allein zu überlassen. Unter 9°C stellen Tomaten das Wachstum ein, unter 2°C sind sie nachhaltig beleidigt. Jungpflanzen nicht mit kaltem Wasser gießen.
½ Mutterboden – ½ Kompost. Wieso gehen immer alle davon aus, dass Leute mit Dachterrassenkübeln kostenlosen Zugang zu Mutterboden haben?

Beipflanzen:
Können gleich in die Tomatenkübel mit eingesät werden.
Bienenwiesen: Borretsch
Fliegenschreck und Nematodenverjager: Ringelblume, Tagetes
Aromaverstärker: Basilikum, Petersilie, Erdmandeln

Kartoffeln und Hülsenfrüchte mögen sich nicht. 2013 hatte ich die Tomaten daher auf der Dachterrasse und Bohnen und Kartoffeln unten im Hof: Krautfäule sowohl bei Kartoffeln wie Tomaten. Also keine Kartoffeln mehr.

Pflege: regelmäßig düngen und gießen, jedoch niemals auf die Blätter selbst, da dies Pilzbefall (=Krautfäule) fördern würde. Die unteren Blätter entfernen, damit der Wind durch die Zweige streichen und die Blätter so trocken hält.
2013 Tomatendüngestäbchen 2014 Wurmhumus?

Sollte es notwendig sein, eine Pflanze zu stutzen, dann über der obersten Rispe zwei Blätter stehen lassen, um die Assimilation zu erleichtern.

Tomaten sind Fremdbestäuber. Wieso man dann verschiedene Sorten nebeneinander stehen haben kann, ohne dass es Kuschelmuschel gibt, habe ich noch nicht verstanden. Zur Bestäubung brauchen sie Wind (auf der Terrasse kein Problem) oder Insekten (auch nicht).

Schädlingsbefall z.B. Trauermücke: Kaliseife oder Brennnesselauszug (10-Liter-Eimer mit einigen Brennnesseln über Nacht stehen lassen und dann auf die Blätter sprühen.

Ernte von Mitte Juni bis Oktober. Letzte Tomaten vor dem ersten Nachtfrost zur Not grün ernten und im Warmen nachreifen lassen: Gemeinsam mit einem reifen Apfel in einen dicht verschlossenen Plastikbeutel stecken. Das vom Apfel ausströmende Ethen (Äthylen) lässt dann auch die Tomaten reifen.
Tomatenkraut gleich kompostieren, nicht stehen lassen, um dem Erreger der Krautfäule das Leben schön schwer zu machen. Die Erde nicht noch einmal für Tomaten oder andere empfindliche Arten verwenden, Kübel gründlich reinigen, damit nicht gleich wieder Erreger des letzten Jahres sich über die neuen Tomatenpflanzen freuen.