Mais

Mais ist ein Getreide aus Mexiko und Bestandteil der 3 Schwestern. In Europa diente Mais wohl nie im größeren Maßstab der Ernährung, sondern seit dem 16. Jh. als Futterpflanze, heute eher als Rohstoff für Biodiesel. Ich habe mich natürlich für Zuckermais entschieden und bin ein bisschen gespannt, was ich damit anfangen werde.

Sorte „Golden Bantam“. Bantam ist der Name einer Initiative gegen genmanipulierten Mais. Anbauer von gentechnikfreiem Mais haben das Recht, über gentechnisch manipulierte Sorten in ihrer Umgebung informiert zu werden und ihr Saatgut ist vor Vermischung zu schützen (Windflug). Daher sammelt Bantam Adressen von Standorten, an denen gentechnikfreier Mais (u. ggf. andere Arten) angebaut werden. Die Wahl von samenfesten Arten ist also eine politische Frage und wendet sich gegen die immer stärker industriell orientierte Landwirtschaft. Laut Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gibt es in meiner unmittelbaren Nähe keinen Genmais.

Anbau

Ab Ende April ein Korn in einen 9cm-Topf, 2cm tief. Fensterbank. Im Juni oder Juli umtopfen (3 Pflanzen auf 30cm Ø) und raus.
Oder Aussaat gleich draußen ab Mai.

Mais sollte in Gruppen stehen, da er vom Wind befruchtet wird.

Mais benötigt nährstoffreichen Boden und nimmt gern Tomatendünger.

Ernte

Im September steht der Mais in seiner Milchreife: Die Körner sind noch hell und weich und geben einen Milchsaft ab, wenn sie gepresst werden. Frisch genießen. Falls sie eingefroren werden sollen, zuvor einmal kurz kochen, damit der Geschmack erhalten bleibt. Und natürlich die besten und frühesten Kolben aussparen und ausreifen lassen:

Im Oktober werden die Hüllblätter trocken und braun. Dann die Kolben ernten, die Hüllblätter zurückschlagen und die Kolben an einem warmen Ort aufhängen. Etwas mexikanischer Flair im Wohnzimmer. 😉 Die Kolben trocknen dann, sodass nach und nach die Körner abgeknibbelt werden können: Zum weiteren Trocknen ausgebreitet hinlegen.  Das ist das Saatgut für das nächste Jahr.

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F1 oder samenfest?

Manchmal lebt es sich mit ausgeschaltetem Gehirn ganz gut. Irgendwie problemfrei. Da bin ich nun seit zwei Wochen dabei, mir voller Vorfreude Sorten auszusuchen, die ich in meinem Hinterhof anbauen will. Und stoße dabei auf mancherlei Gemüse, das wirklich lecker klingt. Irgendwann fiel mir auf, dass alle Namen mit F1 endeten. F1-Hybride stand da auch mal. F1 ist die erste Tochtergeneration und ein Hybrid ist ein Mischling. Aber wieso sind alle Samen, die ich mir aussuche, Mischlinge der ersten Nachwuchsgeneration? Die Frage stand soweit im Raum und ich schaltete spontan mein Hirn aus.

Wieder eingeschaltet, wollte es mein Hirn wissen und machte sich schlau. Aua. Nun habe ich ein Problem. Gut, ja, gerade mein Hinterhofgarten ist die Lösung. Aber einfacher ist es nicht geworden.

Kreuzt man unterschiedliche Sorten einer Art, kommt dabei entweder Kuddelmuddel heraus: nicht wirklich unzählige, aber sehr vielfältige Variationen des elterlichen Erbguts. Oder aber eine schön einheitliche Nachkommenschaft, je nach Erbgang. Kuddelmuddel macht sich nicht so gut, wenn man Saatgut verkauft. Die Kundschaft – ich! – wünscht bestimmte Eigenschaften: Farben, Wuchsform, Größe, Geschmack, Resistenz… Und wenn mir die Sorte gefallen hat, möchte ich genau diese nächstes Jahr wieder anbauen. Also hätte ich gern berechenbares, einheitliches Saatgut. Und das sind jene F1-Hybriden. So weit, so gut.

Diese Hybriden sind in aller Regel unfruchtbar. Entweder entwickeln die Samen sich nicht oder sie sind gar nicht vorhanden. Schon mal einen Bananensamen gesehen? Ich nicht. Kernlose Weintrauben sind auch Früchte ohne Samen. Und da die Produktion von Samen nun einmal die Aufgabe von Früchten ist, stimmt da doch etwas nicht.
Die Samen sind häufig weggezüchtet, bzw. gentechnisch entfernt worden. Zum einen, weil sie die Kundschaft stören. Wer brisselt schon gern die Kerne aus der Mandarine? Zum anderen schlicht und ergreifend, um an mein Geld zu kommen. Ich muss nächstes Jahr wieder Samen kaufen. Und übernächstes. Und…
An meinem Hinterhofgarten wird kein Saatguthersteller reich. An allen Hinterhof-, Balkon-, Klein- und Überhauptgärten schon. Und es sind ja nicht nur die Hobbygärtner, die F1-Hybriden nutzen, sondern die Landwirtschaft generell hängt weltweit von ihnen ab, sogar in noch stärkerem Maß, weil sie an zugelassene Sorten gebunden sind. Und wenn es passend zu den Samen gleich das Rundum-Sorglos-Paket inklusive passendem Dünger und Pestizid gibt, verstärkt sich die Abhängigkeit immer weiter. So weit, so schlecht.

Urban Gardening hat als eine Motivation die Unabhängigkeit. Bei manchen ist es die Angst vor einem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems, bei anderen nur leckeres Gemüse ohne auf den Supermarkt angewiesen zu sein. Unabhängigkeit aber lässt sich also mit diesen F1-Hybriden nicht vereinen. Sollte es die Saatgutbetriebe nicht mehr geben, kann niemand mehr Tomaten anbauen, weil die F1-Hybriden alle unfruchtbar sind. Du kannst natürlich die Samen aussäen. Kannst du aber auch lassen. So weit, so schlecht.

Es gibt natürlich auch Alternativen. Diese Sorten nennt man auch samenfest: ihre Samen sind fruchtbar. Ihre Nachkommen sind nicht einheitlich und unterliegen eben biologischen Schwankungen. Sie sind häufig etwas weniger resistent gegen Schädlinge und Krankheiten und man muss sie etwas genauer beobachten, um ihre Ansprüche erfüllen zu können. Das Gärtnern mit ihnen ist etwas abenteuerlicher und unberechenbarer.
Im Prinzip ist es ganz einfach: Besorge dir eine samenfeste Frucht und schmeiß den Samen nicht auf den Kompost, sondern stecke ihn in die Erde. Eine samenfeste Frucht erkennt man wohl am besten daran, dass man den Bauern kennt und ihm vertraut. Ich hoffe, du hast jetzt nicht auf ein leichteres Merkmal gehofft.
Es gibt auch Samenhandlungen, bzw. Onlineshops, die ganz bewusst auf samenfeste Sorten setzen (siehe Bezugsquellen). Vielleicht für den Anfang das Beste? Und: Ja, die Auswahl ist weitaus geringer. Das liegt eben daran, das man mit Hilfe von Gentechnik so schön einheitliche F1-Hybriden erhalten kann…

So, und nun ist also die Frage nach dem Kürbis im Hinterhof eine politische geworden. Was machst du draus?